Globalisierungs- und Wachstumsgrenzen
10.03.-12.03.2021 – Evang. Akademie Tutzing

Veranstalter: Evang. Akademie Tutzing

LIMITS, AND BEYOND

Eine Veranstaltung mit den Transformateuren Irmi Seidl und Martin Held und unserem Netzwerkpartner Richard Sturn

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Die aktuellen Wirtschafts- und Lebensweisen in den Industrienationen und aufstrebenden Volkswirtschaften geraten in zunehmendem Konflikt mit den planetarischen Grenzen. Welcher Begriff von Wirtschaft verbirgt sich hinter den Grenzen des Wachstums? Inwiefern sind Grenzen des Wachstums Grenzen des Marktes – oder Grenzen der Entbettung von Märkten, wie Karl Polanyi formulierte? Inwiefern haben sie also mit folgenden Fragen zu tun: Welche Bereiche menschlichen Handelns sollen der marktförmigen Vermessung unterworfen sein? Für welche Bereiche erlaubt eine solche Vermessung überhaupt eine vernünftige Zurechnung von Verantwortung? Bestimmte Formen des Wachstums könnten mit den planetaren Grenzen vereinbar sein. Wenn etwa Caring im großen Stil marktförmig wird, dann hat dies einen erheblichen Anstieg der gemessenen Wirtschaftsleistung (also „Wachstum“) zur Folge, das ressourcenneutral sein könnte. Doch ist dies wünschenswert? Welche indirekten und direkten Effekte ergeben sich für Lebensqualität und Ressourcenverbrauch durch eine Vermarktung bisher öffentlicher Funktionen bzw. privater Aktivitäten?

Die rasante Expansion marktvermittelter Arbeitsteilung hat in den letzten Jahrzehnten zu einer Globalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft geführt. Diese Entwicklung scheint nun an ihre Grenzen zu kommen. Die politischen Entwicklungen der letzten Jahre zeigen auf, dass die Bereitschaft schwindet, immer neue Bereiche des Wirtschaftslebens der Logik des globalen Wettbewerbs zu unterwerfen. Zwischen dem Ausmaß globaler Arbeitsteilung und den klassischen Grenzen des Wachstums gibt es Zusammenhänge, die vermehrt reflektiert werden. Der Nationalstaat, der lange als Auslaufmodell galt, erfährt in diesem Zusammenhang eine Renaissance, die mit der globalen Natur wesentlicher Probleme unserer Zeit im Widerspruch steht. Zu beobachten sind globale Tendenzen der Deglobalisierung.

Die Covid-19-Pandemie könnte ein weiterer Katalysator dieser Entwicklungen werden. Wenn sich Akteure als handlungsfähig erweisen, so sind dies am ehesten Nationalstaaten: Vom Gesundheitswesen bis hin zur Stabilisierungspolitik sind es Nationalstaaten und ihre Untergliederungen, die an Status und Bedeutung gewinnen. Doch im Lichte der globalen sozial-ökologischen Probleme ist diese Entwicklung höchst beunruhigend.

Welchen Beitrag können die Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften in Anlehnung an bestehende Analysen von Entbettung und Einbettung liefern, um die losen Fäden unterschiedlicher Grenzziehungen zusammenzuführen? Mit welchen Modellen und welchen Instrumenten könnte ein Umsteuern gelingen, das den Zusammenhängen zwischen den Grenzen des Planeten, den Grenzen der Vermarktlichung, den Grenzen des Wachstums und den Grenzen der Globalisierung Rechnung trägt? Welche Rolle spielen hierbei etablierte Instrumentarien wie das Steuer- und Abgabensystem oder koordinierte Investitionen? Wo müssen sich mentale Modelle ändern?

Wir laden alle Interessierten sehr herzlich nach Tutzing ein und bitten auch, den Call for Papers für den offenen Tagungsteil zu beachten und an Interessierte weiterzuleiten.

Prof. Dr. Erik Gawel, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ und Universität Leipzig
Sven Giegold MEP,
Europäisches Parlament, Brüssel
Prof. Dr. Marieke de Goede,
Universität Amsterdam
Dr. Martin Held,
Evangelische Akademie Tutzing
Prof. Dr. Gerhard Illing, LMU München
Prof. Dr. Jakob Kapeller,
Universität Duisburg-Essen
Prof. Dr. Ulrich Klüh,
Hochschule Darmstadt
Dr. Ortrud Leßmann,
Universität Hamburg
Prof. Dr. Dalia Marin,
LMU München
Prof. Dr. Karen Pittel,
ifo-Institut und LMU München
Prof. Dr. Christoph Schmidt,
RWI, Essen
Dr. Margit Schratzenstaller,
Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO, Wien
Prof. Dr. Irmi Seidl, Eidgenössische Forschungsanstalt WSL, Zürich
Prof. Dr. Richard Sturn,
Universität Graz